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9. März 2021
Profitable Business-Szenarien für Open Banking Plattformen kreieren
Create profitable business scenarios for open banking platforms
Digital Banking
APIs
Daria Mühlethaler
Daria Mühlethaler
Head of API Ecosystem

«Ein Ziel – viele Wege». So formuliert Richard Hess, Leiter Digitalisierung SwissBanking, den Status von Open Banking in verschiedenen Ländern. Schweizer Banken verfolgen einen «marktwirtschaftlichen Ansatz» und werden nicht von Regulatoren zur Öffnung ihrer Schnittstellen gezwungen. Daria Mühlethaler, Head of API Ecosystem bei Crealogix, erläutert, was die Entscheider in Finanzinstituten bedenken sollten, um von Open Banking zu profitieren.

In der Europäischen Union werden Banken mit PSD2 in die Pflicht genommen, Drittanbietern auf Kundenwunsch einen Zugriff auf Konten zu gewähren. Das ist in der Schweiz nicht der Fall. Dennoch hat sich die hiesige Finanzindustrie längst auf den Weg Richtung Open Banking gemacht. PSD2 markiert lediglich den Anfang einer Transformation, die es Kunden, ausgewählten Drittanbietern und Banken ermöglicht, zu kooperieren. Es werden Ökosysteme aus verschiedenen Partnern sowie Marktplätze für Finanzdienstleistunden entstehen, über die sich die Branche neue Geschäftsfelder erschliesst.

Von Banken getrieben: API-Standardisierung

Eine Vorreiterrolle bei der Bereitstellung von Schnittstellen (APIs) sowie in der Kontenaggregation nimmt Grossbritannien ein. Länder, die nicht PSD2-reguliert sind, stehen vor der Herausforderung, Standards für APIs zu finden und zu definieren. Darauf weisen die Autoren der Auslegeordnung zu Open Banking hin. «Denn grundsätzlich führt Heterogenität zu Komplexität und höheren Kosten.» Asiatische Märkte wie Singapur zeigen, dass die Standardisierung sehr wohl auch von den Banken selbst getrieben werden kann. So realisiert die DBS Bank mit ihren eigenen APIs unterschiedliche Integrationsszenarien, mit denen sie zum einen Branchenherausforderungen löst und sich zum anderen tief in den jeweiligen Märkten verankert.

Beispielsweise unterstützte sie den Mobilitätsanbieter gojek dabei, Singapur mit seinem Ride-Hailing-Dienst zu erobern. Um sich gegen Uber und Co. durchzusetzen, musste das Technologie-Start-up schnell viele Fahrer an sich binden. Dazu ließ es sich etwas Besonderes einfallen: Es bezahlt die Partner nach jedem erledigten Job und nicht erst am Ende der Woche. Die vollautomatische Bezahlung in Echtzeit inklusive Abwicklung mit anderen Banken geschieht über die API-Lösung der DBS. Die Anwendung zeigt, wie Open Banking die Agilität und damit Relevanz von Finanzinstituten erhöht. Dank einer überzeugenden User Experience mit dem Alleinstellungsmerkmal «umgehende Bezahlung» konnte gojek innerhalb weniger Monate eine 20.000 Fahrzeuge starke Flotte in Singapur aufbauen. Die API-Technologie ermöglichte es der Bank, das ambitionierte Implementierungstempo des Start-ups mitzuhalten und in weniger als einem Vierteljahr zu liefern. Die Automatisierung der Bezahlvorgänge und Abrechnungen reduzierten zudem manuelle Aufwände sowie Fehlerquellen beim Kunden.

Schweizer Sonderweg

Der Weg der Schweizer Banken dürfte irgendwo in der Mitte liegen zwischen öffentlichen Standardisierungsinitiativen und dem Engagement einzelner Institute. Richard Hess führt sowohl einzelne Projekte wie die b.Link-Plattform der SIX, die jüngst mit Common-API von Swiss Fintech Innovations zusammengeführt wurde, als auch Initiativen an wie openbankingproject.ch, zu dessen Mitgliedern wir zählen. Sicher kann und soll man sich zusammenschliessen, um schweizweit gültige Standards zu erarbeiten, und sich darauf einigen, diese auch umzusetzen. Doch erfordert das einen langen Atem: Noch hat keine der Initiativen eine kritische Masse erreicht und die Zeit drängt.

Um mit Finanzinstituten in asiatischen Hotspots, Grossbritannien und anderen PSD2-getriebenen Ländern mitzuhalten, gilt es, Open Banking zu nutzen, um Finanzökosysteme mit Drittanbietern aufzubauen. Die Fahrdienst-Anwendung in Singapur lässt erahnen, welch vielfältige und in der Theorie kaum vorhersagbare Kooperationen auf diese Weise entstehen können. Um sich in den neuen Communities gut zu positionieren, sollten Banken jetzt eigene Erfahrungen mit APIs und Drittanbietern in folgenden Bereichen sammeln:

  • Wie können Open-Banking-Projekte zur Wertschöpfung beitragen?
  • Was sind die Erfolgsfaktoren bei der Zusammenarbeit mit Dritten – von der strategischen Ebene über Workflows bis hinunter auf die technologische Ebene?
  • Wie lassen sich die Lösungen der Partner konkret in die eigene Infrastruktur integrieren?

Komplexität in Ökosystemen beherrschen

Dabei ist es anfangs gar nicht so leicht, ein Gefühl für die Kosten der Integration zu entwickeln und sie gegen den Nutzen abzuwägen. Außerdem ist es mit einer einmaligen Integration nicht getan. Vielmehr müssen die APIs laufend optimiert und nachjustiert werden. Je mehr Drittanbieter sich in einem Ökosystem tummeln und die APIs nutzen, umso stärker steigen die Anforderungen an Integration und Tests. Unverzichtbar ist dabei eine vom Produktivsystem unabhängige Testumgebung. Die sogenannte API Sandbox ermöglicht Lösungsanbietern, in einer sicheren Umgebung die Reaktionen der Software auf die Eigenschaften des Systems zu simulieren. Das verkürzt die Entwicklungszyklen und minimiert Kosten sowie Risiken.

Aus der erfolgreichen Anbindung ergeben sich weitere Herausforderungen wie zum Beispiel die Skalierbarkeit: Bewirbt ein Partner seine Lösung, kann – für die Bank überraschend – die Nachfrage in kurzer Zeit dramatisch ansteigen. Sowohl das Hoch- als auch Herunterskalieren wollen sehr gut beherrscht sein. Hinzu kommt, dass jedes Produkt eine einzigartige Customer Journey voraussetzt. Das API- und Integrationsangebot muss flexibel genug sein, um sie mit überschaubarem Aufwand in das Gesamtangebot einzufügen. Wer sich auf Open Banking einlässt, sollte sich im Vorfeld darauf einstellen, durch eine Phase von API-Anpassungen zu gehen.

Überzeugender Mehrwert für Bankkunden

Aus einer Vielzahl von Projekten im gesamten DACH-Raum und in weiteren europäischen Ländern wie Grossbritannien sowie in Asien wissen wir, dass sich in jedem regulatorischen und organisatorischen Umfeld profitable Business-Szenarien für Open-Banking-Anwendung entwickeln lassen. Mit API-Management-Plattformen schaffen sich Banken eine technologische Grundlage für das Onboarding von Drittanbietern ohne allzu grossen individuellen Aufwand. Ein Implementierungspartner mit entsprechendem Integrations-Know-how trägt entscheidend zum Projekterfolg bei. Vorrangehen sollte allerdings in jedem Fall die Definition einer Anwendung, die Kunden einen wirklichen Mehrwert bringt und sich auf die eine oder andere Art monetarisieren lässt. Hat die Bank diese «Hausaufgaben» erledigt, ist Erfolg vorprogrammiert.

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